
Pia Meier
Die Reformierte Kirchgemeinde Oerlikon will für das Jubiläumsjahr der Kirche verschiedene kulturelle Anlässe vorbereiten. Unter anderem wird ein Kunstprojekt verwirklicht. Die Idee dieses Projekts basiert auf den wertvollsten Kunstschätzen der Kirche Oerlikon, die im Jugendstil gestalteten Glasfenster. Diese inspirierten drei junge Kunstschaffende Vera Huonker, Sara Schurter und Benjamin Matzek (alle zwischen 29 und 31 Jahren alt) , eine audiovisuelle Kunstinstallation zu realisieren.
Ausgangspunkt waren die auf den Fenstern dargestellten Engel, die mit geschlossenen Augen die Fanfaren blasen. Die geschlossenen Augen entsprechen nicht alltäglichen Engelsdarstellungen und sind deshalb etwas ganz Spezielles. Diese Tatsache wollten die drei Kunstschaffenden in anderer Form umsetzen. Sie griffen zum heute modernsten Stil- und Ausdrucksmittel, der Medienkunst.
Inhaltlich geht es ihnen um die Sichtbarmachung und die Auseinandersetzung mit der Religion. Sie tun dies zusammen mit Oerliker Kindern. Mit der Kamera haben sie ein Stück «wirkliche Welt» eingefangen: Sie zeigen die fünf Drittklässler im kirchlichen Religionsunterricht beim Versteckspielen. Dabei fanden sie eine ursprüngliche Art, dem Thema auf spielerische Art und Weise zu begegnen.
Die drei Kunstschaffenden verwandeln das reale Versteckspiel der Kinder in eine Metapher. Das Resultat ist die künstlerische Installation mit dem Titel «Im Verborgenen»: Auf die Emporenwände werden Filmsequenzen projiziert, die Kinder beim Versteckspiel aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Eine Geräuschkulisse unterstützt das Erleben. Der Betrachter befindet sich mitten im Spiel. Der vollständige Überblick wird ihm aber verwehrt, die Rolle des objektiven, aussenstehenden Betrachters abgesprochen.
Huonker und Schurter haben beide eine Beziehung zu Oerlikon: Huonker ist in Oerlikon aufgewachsen, Schurter wohnt heute im Quartier. Alle drei Kunstschaffenden haben an der FHNW, der Fachhochschule für Gestaltung und Kunst in Aarau, Medienkunst studiert beziehungsweise sind noch daran. «Diese Ausstellung ist unser erstes gemeinsames Projekt», hält Huonker fest. «Ein schönes Projekt und eine schöne Erfahrung, aber auch eine Herausforderung.» Sie freuen sich über die einmalige Chance, in einem öffentlichen Gebäude ein solches Projekt realisieren zu können.