Pia Meier
Die reformierte Kirche Oerlikon ist vor 100 Jahren erbaut worden. Am 28. Oktober wird das Jubiläum des Glockenaufzugs gefeiert und am 6. April 2008 die Einweihung der Kirche. Das harmonisch-melodische Geläute (Anmerkung der Red.: Das Geläute ist das «Bimmeln» der Glocken, das Geläut die Glockenkonstruktion) der vier Glocken in H-Dur im 64 Meter hohen Turm erfreut zwar nicht zu jeder Zeit alle Anwohner, aber Reklamationen gibt es gemäss Renata Huonker, seit 25 Jahren Pfarrerin, nur wenige. Auch die Kirchgemeinde nehme, wenn möglich, Rücksicht auf die Anwohner. Heute erfreue das Geläute die meisten Menschen genauso wie vor 100 Jahren.
Am 29. Oktober 1907 läuteten zum ersten Mal die Glocken der reformierten Kirche Oerlikon. Pfarrer Hermann Köchlin hielt bei dieser Feier eine Glockenrede: «Eine freudigere Nachricht hat man in unserer Gemeinde schon lange nicht mehr gehört als die, welche am letzten Mittwoch von Mund zu Mund gegangen ist und wie ein Lauffeuer sich überall verbreitet hat: Die Glocken sind angekommen. Und wir haben alle Ursache, uns darüber zu freuen. Lange genug hat man in Oerlikon keine Glocken gehabt.» Oerlikon gehörte damals aus kirchlicher Sicht zu Schwamendingen. Und weiter hielt Köchlin fest: «Glockentöne sind Grüsse von oben her und Gebete von unten her, die zwischen Himmel und Erde schweben und eine Brücke zwischen beiden zu schlagen suchen.»
Die vier Glocken der reformierten Kirche Oerlikon stammten von der Firma Jules Robert in Pruntrut und waren aus Kanonen gegossen worden, um eine Zeit des Friedens und der Freundschaft einzuläuten. Am 25. Oktober 1907 wurden sie sinnig dekoriert, auf bekränzten Vierspännern durch die Strassen Oerlikons und unter dem Gruss der Glocken der Mutterkirche nach Schwamendingen geführt. Am folgenden Tag, Samstag, 26. Oktober, wurden sie von der Schuljugend der Kirchgemeinde auf ihren «luftigen Wohnsitz» gehoben. Die Glockenstube, von welcher aus man im Übrigen eine herrliche Rundsicht geniesst, beherbergt die vier Glocken mit einem Gewicht von 6800 Kilogramm. Die Glocken hängen an einem eisernen, wohlkonstruierten Glockenstuhl. Unter der Glockenstube befindet sich die Läutestube mit dem darin aufgestellten Uhrwerk. Die kleinste der vier Glocken ist das Totenglöcklein. Mit ehernen Buchstaben steht darauf: «Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit, ihre Werke aber folgen ihnen nach.» Auf der zweitkleinsten Glocke (Betglocke) sie wiegt 895 Kilogramm steht: «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen.» Die zweitgrösste Glocke (Mittagsglocke) sagt: «Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesu Christo.» Sie wiegt 1555 Kilogramm. Auf der grössten Glocke steht: «O, Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.» Sie wiegt 3050 Kilogramm.
Am 28. Oktober um 10 Uhr steht ein Festgottesdienst mit Überraschungen auf dem Programm. Die Festpredigt in der Kirche Oerlikon hält Kirchenratspräsident Pfarrer Ruedi Reich. Für den musikalischen Rahmen sorgen der Kirchenchor unter der Leitung von Lena-Lisa Wüstendörfer und Organist Bruno Reich. Zum weiteren Festprogramm gehören ein Apéro, ein Info-Stand und ein Wettbewerb mit attraktiven Preisen. Um 11.30 Uhr steht ein Wimpelaufzug mit Turmbläsern auf dem Programm. Die Wimpelketten mit den von der Gemeinde gestalteten Motiven werden von Kindern zu den Glocken hochgezogen. Damit soll das historische Ereignis vergegenwärtigt werden.
Reformierte Kirchgemeinde Oerlikon
Die Kirche Oerlikon, eine Jugendstilkirche an der Oerlikonerstrasse 99, hat Platz für 650 Personen.
Das Kirchgemeindehaus an der Baumackerstrasse 19 bietet bis zu 240 Personen Platz.
Die Pfarrstellen teilen sich Renata Huonker-Jenny, Walter Eisenhut und Gustav Stähli.
Präsident der Kirchenpflege ist Peter Ritschard
Die Kirchgemeinde Oerlikon zählt ungefähr 4500 Mitglieder.